ich muß die Zeit nutzen, solange alle Erinnerungen noch so frisch sind…..

1. Tag. nach knapp drei Stunden Schlaf Treffpunkt um 6 Uhr Früh – der Bus fährt los. Mein Vorhaben im Bus zu schlafen scheitert- ich spüre die Aufregung und unseren bevorstehenden Gipfelanstieg. Die Hetzerein der letzten Tage haben auch zu einem komplett überpackten Rucksack geführt- dieser wird mich bis fast an die Spitze des Glöckner begleiten.

In Kals angekommen- kennenlernen der anderen beiden Bergführer- Martin und Toni (Hanns hatten wir bereits auf der Rax kennengelernt) und des Kamerateams. Es beginnt der Aufstieg. Mit meiner normalen Körperverfassung wäre der Aufstieg ein klax. Mit meinem „zu viele Kilos“ Rucksack und der Übermüdung stoße ich tatsächlich an meine Grenzen. Der Aufstieg wird allerdings ab der Hälfte mit einem wolkenlosen Blick auf den Gipfel belohnt. Auf der Salm Hütte angekommen, werden wir mit einem dreigängigem Menü verwöhnt und fallen gleich anschließend in unsere Matratzenlager.

Am nächsten Tag steht akklimatisierung auf dem Programm und eine Trittschulung mit unseren Bergführern. Hier bekommen wir wertvolle Tipps, wie man sich in unwegsamen, steilem und steinigem Gelände fortbewegt wie auch mit Steigeisen am Gletscher. Der Tag hat mir zum „ankommen“ sehr gut getan.

Tag 3: Anstieg von der Salmhütte auf die „Adlersruh“ – Erzherzog Johann Hütte über einen Klettersteig und wieder ein Stück Gletscher. Dieser Anstieg war dann schon ein wenig leichter- ich hatte wesentlich mehr Schlaf…      Bereits von der Adlersruh genießt man bei freier Sicht (die wir zum Glück hatten) einen unbeschreiblichen Ausblick.  Schön langsam steigt die Anspannung vor dem Gipfelsturm. Am Abend werden uns noch zwei Bergführer „zugeteilt“ – wir gehen in insgesamt 4 Seilschaften.

Ich kann in der Nacht kaum schlafen. Meine Gedanken drehen sich nur um den Gipfelaufstieg. Ich denke mir mehrmals in der Nacht- mich bringen keine 10 Pferde auf den Gipfel- irgendwie hatte ich keine Motivation mehr.

Dann der Morgen. Leichtestes Gepäck- da wir wieder auf die Hütte nach dem Gipfel zurückkehren. Ich bin mit Manuela und Thomas in einer Seilschaft. Unser Bergführer ist Martin. Zuerst ein Aufstieg über den Gletscher- der zum Felsen zu immer steiler und steiler wird. Wir arbeiten uns mit Steigeisen vor, die wir die ganze Zeit nicht ausziehen. Und schon bald kommt unsere erste Wartezeit- und es sollte nicht die letzte sein.  Es sind so viele Leute unterwegs- das habe ich auf einem Berg noch nie erlebt. Die Bergführer hatten uns schon vorgewarnt- allerdings das glaubt man erst, wenn man es selbst gesehen hat. es war einfach irre. Es gibt einige Passagen wo ein vorbeigehen oder überholen kaum oder nur sehr schwer möglich ist- ebenso langsam kamen wir voran. Schnell wurde mir klar- der Weg ist das Ziel. So viele Leute wie hier unterwegs waren, und so wenig Platz wie auf dem Gipfel ist- da konnte ich mir ausrechnen, das wir zum einen nicht lange oben sein werden und das es auch nicht sonderlich gemütlich sein sollte. Noch spielte das Wetter mit. Auch wenn schon vereinzelt Wolken aufzogen.

Wir erreichten den Gipfel. und genau so war es. Durch die langen Wartezeiten waren wir bei dem kalten Wind schon einigermaßen erschöpft. Es gab ein kurzes Fotoshooting- ein kurzes Innehalten- und auf Grund der allgemeinen Situation stiegen wir wieder ab. Der Abstieg gestaltete sich ähnlich wie der Aufstieg.

Wieder bei der Hütte angekommen gönnten wir uns die eine oder andere Suppe zur Stärkung. Anschließend begann der Abstieg zur Stiedlhütte, von der wir am nächsten Tag weiter zurück zum Parkplatz wanderten, wo bereits der Bus auf uns wartete.

Für mich war es eine ungemein tolle Erfahrung und ich nehme mir sehr viel von dieser Tour mit. Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Mit Manuela und Thomas in der Seilschaft- mit Martin als mehr als souveränen Bergführer. Die Gespräche mit Daniela, Heike und Michael. Und die Begegnung mit Lisbeth.

Es war eine wunderbare Zeit, die ich nicht vergessen werde.

Zu guter letzt- an Manuela:

Dein Eintrag hat mich sehr berührt. Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Günther Berger

Der Countdown läuft….

5. September 2009

…nur noch wenige Stunden, dann ist es soweit – wir gehen Schritt für Schritt auf den Großglockner.

Ich bereite mich schon seit Tagen auf diesen Moment vor. Einerseits wird gepackt – quasi in letzter Minute noch ein paar Kleinigkeiten gekauft, andererseits wird meine Aufregung deutlich größer.  Ich gehe auf’s Dach Österreichs! Wahnsinn….

Wie kommt es dazu? Hier ein kurzer RÜCKBLICK…

Ich bin mit 20 Jahren an akuter myeloischer Leukämie erkrankt , die Intensivtherapie dauerte rund 6 Monate.

Ein wichtiger Lebensabschnitt für mich!

Meine Krankheit als LebensWENDE: ich habe für mich sehr wertvolle Erfahrungen und Selbsterkenntnisse machen dürfen – so z.B.: wer in schweren Zeiten zu mir hält, ich habe erkannt welchen Weg ich mit meinem Studium später einmal gehen möchte, habe neue Freunde gewonnen und aber auch andere ziehen lassen….

WARUM ich bei der Selbsthilfegruppe „Myelom- und Lymphomhilfe Österreich“ und den Survivors bin…

Es wurde und ist mir ein Bedürfniss meine positive Lebenseinstellung und Energie mit anderen zu teilen, denen es vielleicht nicht so gut wie mir geht. Es soll jeder wissen, dass wir nicht alleine sind, und zusammen stark sind!

Sich intensiver mit der Krankheit auseinanderzusetzen/auseinandersetzen zu wollen! gibt uns Kraft und Mut , den Verlauf der Krankheit eventuell mit mehr positiver Lebenseinstellung entgegenzutreten und eine  Erleichterung der Situation für  Betroffene zu schaffen.

Unsere Krankheit ist ein Teil unseres Lebens, aber sie soll unser Leben nicht beherrschen.

Meine Leidenschaft BERG…

Ein Jahr nach der Krankheit haben sich die Wege von mir und meinem jetztigen Freund gekreuzt. Durch ihn habe ich die Liebe und Leidenschaft des Sports, der Natur und vor allem der Berge gefunden. Seit nun gut zwei Jahren gehe ich regelmäßig Bergsteigen und ich kann momentan nicht genug davon bekommen. Heuer waren es schon stolze 7 Gipfel.

Die Stille, die Flucht vor dem Alltag, die Schönheiten der Natur….das alles möchte ich nicht mehr missen!

Das GROßGLOCKNER-PROJEKT….

Durch die Österreischische Kinderkrebshilfe habe ich von dem Krebsforschungs-Projekt gehört und da wusste ich sofort: Ich will da rauf! Ich muss die Chance nutzen und meine Leidenschaft um eine wichtige Erfahrung – SELBSTerfahrung – erweitern.

Mit GLEICHGESINNTEN auf einen Berg…

…ist ganz etwas anderes, als mit gleichaltrigen und nicht krank gewesenen!

Die Vertrautheit, das Zusammengehörigkeitsgefühl und das selbstverständliche Umsorgen  in einer Gruppe, in der wir alle einmal ähnlich schwere Zeiten durchgemacht haben, habe ich so noch nie erlebt!

Ein schönes Gefühl.

Meine Freundin ZUZANA….

wollte auch auf den Großglockner, leider ist es ihr durch die Organisation nicht möglich gemacht worden.

Dass sie die gemeinsame Raxtour so gut gemeistert hat, hätten ihr viele einfach nicht zugetraut … hier muss ich ehrlich gestehen, dass auch ich mir Sorgen um dein Wohlbefinden gemacht habe.

Was ICH dir hier jetzt sagen möchte:

Mädl, ich hab wahnsinnigen Respekt vor deiner tollen Leistung. Ich selbst bin früher schwer auf einen Berg gekommen – ich aber hab zwei gesunde Beine…!

Deine positive, ehrliche,menschliche und freundliche Lebenseinstellung färbt auf deine Umgebung nur mit deiner blossen Anwesenheit ab.  Unglaublich, was für eine Lebensstärke und -freude du hast und sie mit anderen teilst. Es ist so wertvoll und schön, dass es dich gibt!

DANKE….

Ich möchte hier allen DANKE sagen, die mit mir an meiner Seite durch’s Leben gehen. Denen, die zu mir halten und Freunde für’s Leben geworden sind. Meiner Familie, die mit mir tapfer durch diese schwere Zeit gegangen ist. Meinen Pflegern, Ärzten, Psychologen, etc. – welche schwere Arbeit leisten, aber auch „nur“ Menschen sind….

Danke Schatz, dass du in mir eine neue Leidenschaft entfacht hast und mit mir gemeinsam durch’s Leben schreitest….

….nur noch wenige Stunden bis zum Aufbruch….ich blättere in meinem Großglockner Buch….ich kann es kaum erwarten!

~~Genieße jeden Augenblick in deinem Leben~~

Manuela, 24 Jahre

Mit knapp 4 Jahren bekam ich (meine Eltern) die Diagnose Krebs. Ich musste quasi Not operiert werden, da mein Leben de facto nur mehr am Seidenen faden hing. Erinnern kann ich mich kaum noch an diese Zeit. Die wenigsten Momente sind noch da und das meiste was ich von damals weiß, weiß ich von meinen Eltern.

Meine Jugend betrachte ich als nicht sehr aufregend. Ich kam mit meiner Umwelt nicht klar und meine Umwelt nicht mit mir. Meine Krankheit schob ich vor mir her und wollte nichts davon wissen. Gut 20 Jahre konnte und wollte ich nicht darüber reden. Ich habe meine Krankheit so sehr verdrängt, das ich bis ca. 14 Jahren nicht einmal genau wusste, was ich hatte. All das sollte sich noch ändern.

Auf Initiative der Elterninitiative Kinderkrebshilfe für Wien fand ein psychologisches Seminarwochenende für Survivors statt. Zum ersten mal in meinem Leben kam ich mit jungen Menschen zusammen, die mich verstanden. Denen ich nichts erklären brauchte. Unterschiedlichere Charaktere konnten wir nicht sein- aber eins verband uns- unsere Vergangenheit.

Somit gründeten wir die Österreichische Survivors Gruppe und waren (sind) ein Projekt des Dachverbandes der österreichischen Kinderkrebshilfe. An dieser Stelle darf ich auf das Buch „Geheilt“ von Dr. Thomas Hartl im Ueberreuter Verlag hinweisen. Einige ehemalige Krebspatienten- darunter auch drei Survivors (auch meine Wenigkeit) erzählen in diesem Buch ihre Geschichte mit den unterschiedlichsten Wegen der Heilung.

Da ich sehr narutverbunden bin und sportbegeistert war ich sofort von der Idee, auf den Großglockner zu gehen begeistert. Leider habe ich das Gefühl, das es sich hier um ein prestige Projekt des St. Anna Kinderspitals handelt. Man will hier „kerngesunde“ Survivors zeigen. Und nur diese. Zum einen gibt es Survivors, die bei entsprechender Vorbereitung und Unterstützung sicher in der Lage wären, den Gipfel zu erklimmen und eben auch wiederum andere, denen körperlich und oder geistig die Voraussetzungen dazu de facto fehlen.

Warum man bei der Vorbereitung darauf verzichtet hat, uns Survivors generell ins Boot zu holen weiß ich nicht. Warum man nicht versucht hat, Survivors die ein leichtes Handicap haben ebenfalls mit an Bord zu holen weiß ich nicht. ich finde das mehr als schade. Das ist mit Sicherheit nicht der Hintergrund, warum wir die Survivors Gruppe gegründet haben. Wir wollen uns gegenseitig helfen und Aufklärungsarbeit betreiben. Wir wollen für andere da sein. Es gibt Nachsorgeprojekte, bei denen weniger die Frage ist, ob ein Survivor bei diversen Outdoor Aktivitäten mitmachen kann, sondern vielmehr was er dazu braucht um mitzumachen. Bei diesem Projekt hatte ich nicht den Eindruck, das man versucht, dafür zu sorgen, das leicht benachteiligte Survivors mitgehen können.

Bei aller Kritik möchte ich noch ergänzend hinzufügen, dass vor rund zwei Wochen die „Generalprobe“ auf der Rax stattfand, bei denen mit den Verantwortlichen dieses Projekts wirklich gute und vor allem konstruktive Gespräche stattgefunden haben bei denen auch ich das Gefühl hatte, das unsere Anliegen wirklich Gehör finden. Für die Zukunft bin ich sehr optimistisch, das wir noch mehr gehört und ernst genommen werden und unsere Anliegen auf fruchtbaren Boden fallen.

 

Günther Berger

1.)    Die Krankheit:

Bei mir wurde mit 2 Jahren Neuroblastom im 4. Stadium festgestellt. Heute kann ich mich nicht mehr an den Beginn der Behandlung erinnern, das Ende ist jedoch relativ klar noch vorhanden, auch wenn ich manchmal die zeitliche Abfolge durcheinanderbringe.

Die Grazer Abteilung für Pädiatrische Hämato- Onkologie befand sich damals im Dachgeschoß des Gebäudes für Strahlentherapie. Es war nicht sehr kindergerecht eingerichtet, ich freute mich wie ein Schneekönig, wenn ich im Windellager Dreiradler fahren durfte.

Ich konnte ganze Kinderbücher auswendig, die ich mit viel Enthusiasmus meinen Mitpatienten „vorlas“. Ich konnte ganze Visitenscharen inklusive Ärzte und Studenten unterhalten, indem ich mir beide großen Zehen in die Ohren steckte und so laut ich konnte schrie: „Ich red nicht mit euch, ich red nicht mit euch!“ Ich brachte neue Schwestern und Ärzte zur Verzweiflung, wenn sie mir das Herzkathederpflaster wechseln wollten, denn da mußte immer etwas draufgemalt werden und wehe es war die gleiche Blume oder das gleiche Haus wie beim letzten Mal. Heute noch geben mir Schwestern, die mich aus dieser Zeit kennen anstandslos nach dem Blutabnehmen mein Pflaster mit dem blauen Elefanten.

Die Wände im Gebäude waren in einem bestimmten Grünton gestrichen, den ich heute noch nicht ansehen kann, ohne nicht ein flaues Gefühl in der Magengrube zu verspüren. Dasselbe gilt für rote Lackledersofas, mit denen ich immer noch auf Kriegsfuß stehe.

Dadurch dass ich noch so klein war, sind die Erinnerungen an die Schmerzen und die Angst vor dem Sterben in den Hintergrund geraten. Andere Erinnerungen, Bruchstücke, hervorgerufen durch Gerüche, Anblicke und Situationen überfallen mich in den unpassensten Momenten aus dem Hinterhalt. Beispielsweise der Geruch nach Krankenhausessen oder Desinfektionsmittel führt zu heftigem Erbrechen. Muß ich wieder einmal zur Kontrolle einrücken und irgendetwas oder irgendjemand verhält sich nicht so, wie ich es erwarten würde (langes Warten, Aussagen wie: „ Warum hast du mir den Zettel nicht mitgebracht, ich brauch diesen Zettel“, Schwierigkeiten beim Blutabnehmen,…), solche banalen Dinge bringen mich komplett aus der Fassung und führen nicht selten zu Heulattacken. Das ist mir unglaublich peinlich, schließlich bin ich 17 Jahre alt, aber ich kann einfach nichts dagegen tun.

Aufgrund meines Winzlingalters war die Frage nach dem Sterben für mich nicht relevant. Der Tag nach morgen war für mich schon zu weit weg.

2.)    Die Nebenwirkungen/Nachwirkungen:

Abgesehen von der Operationsnarbe ist das einzige bleibende meine Hochtonschwerhörigkeit. Durch den Haarverlust verabschiedeten sich auch die Härchen im Innenohr und weigerten sich später nachzuwachsen. Bereits den Kindergarten besuchte ich mit 2 Hörgeräten. Für mich war das so selbstverständlich und normal wie jeden Tag Zähneputzen. So klein habe ich mir nie Gedanken gemacht, ob ich irgendwie anders sein könnte. Dank aufmerksamen Kindergartentanten und hilfsbereiten Volksschullehrerinnen bekam ich das ein bißchen Anderssein nie zu spüren. Erst im Gymnasium lernte ich andere Kinder kennen, die ebenfalls Hörgeräte tragen. Ich fiel aus allen Wolken, als ich das erste Mal „taube Nuss“ genannt wurde.

Ich fühl mich nicht eingeschränkt und auch wenn die gute Fee mit ihren 3 Wünschen ankommen würde, würde ich mir etwas Besseres als ein gutes Gehör wünschen.

Für mich ist das einfach so. Jeden Morgen, wenn ich die Hörgeräte hineintue, denk ich daran, wie gut es mir geht und wie klein meine Sorgen sind.

3.)    Lebensperspektive:

Ich versuche das, was ich durch den Krebs und die Behandlung gelernt habe (Durchhaltevermögen, Beharrlichkeit, Antihoffnungslosigkeit) im Alltag zu nützen. Denn so hab ich das wenigstens nicht umsonst durchgemacht.

4.)    Meine Beweggründe bei der Glocknertour teilzunehmen:

Ich mach gern ein bißchen verrückte Sachen (Ich war bei dem Projekt „Ein Ritt ins Leben“ mit an Board). Ich will meine Grenzen ein bißchen weiter hinausstoßen, als sie bis jetzt erprobt sind. Und natürlich eine Gaude haben mit den anderen.:-)

Außerdem schreibe ich im Herbst meine Maturaarbeit zum Thema „Psychologische Betreuung von krebskranken Kindern und Jugendlichen“. Vielleicht tauchen ein paar Anregungen für Ansätze bei den Gesprächen mit den anderen auf, denn dabei sieht man manches selbst viel klarer.

Wie Sebastian schon erwähnt hat, kann die gesamte Geschichte nur sehr schwer dargestellt werden. Naja, ich habs versucht, ein bißchen etwas aus meine Geschichte zu erzählen.

Lg

lisbeth

Nachtgedanken

27. August 2009

Es ist spät und ich werde gleich meine Augen schließen.

Mir geht seit Jahren der Satz nicht mehr aus dem Kopf, dass der Schlaf der kleine Bruder des Todes sei:

Mich erinnert das an den Moment kurz vor dem Einschlafen, wenn ich – obwohl im Bett – das Gefühl habe zu fallen. Oder wenn ein Mensch in meinen Armen schon zu schlafen scheint und plötzlich zuckt.

Dann – so hieß es in dem Zitat weiter – würde die Seele den Körper verlassen und für die Stunden der Nacht auf Reisen gehen.

Apropos reisen: Als ich folgendes Gedicht gelesen habe, dachte ich an den Moment, oben angekommen zu sein. Sei es nun oben auf dem Berg oder ganz bei mir selbst:

Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
Muß in dir selber leben.

Wenn’s deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.

Das flücht’ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor dir bestehen können.

Theodor Fontane

Gute Nacht!

Thomas

Zum Thema:

Problematik Jobsuche bzw. Rückkehr in das Arbeitsleben. Zweifel von Arbeitgebern/ Neuer Job: EMC

 

Meine Erfahrung nach meiner Krebserkrankung mit den Mitmenschen in der Arbeitswelt basierte auf eine schreckliche bis grausame Art und Weise, vor allem wie sie mich danach von menschlicher Seite, sowie von psychologischer Seite behandelt haben. Oberflächlich, ignorant, bis hin zu ganz grässlichen verbalen Beschimpfungen. Ich wurde einfach nicht als vollwertiger Mensch angesehen. Die Akzeptanz und der Respekt haben hier total gefehlt. Ich denke, dass die Menschen in unserer Gesellschaft mit jenen schwerwiegenden Krankheiten, egal welche Form der Krankheit, wo der Tod eine riesengroße Rolle spielt, nicht umgehen können. Ich habe oft das Gefühl verspürt, Mensch zweiter Klasse zu sein.

Es wurde mir nicht leicht gemacht. Möchte euch  einen kleinen Auszug über die Rückkehr in mein Arbeitsleben geben.

 

Beispiel:  Nach der Entlassung aus der Stammzellentransplantation, als ich wieder in die Zivilisation schnuppern durfte und wieder in meinen Job als Bürokaufmannslehrling zurückkehrte, wurde ich nach bestandener Lehrabschlussprüfung von meinem Unternehmen, einen Tag danach, gekündigt. Damals war ich sehr enttäuscht, da mein ehemaliger Chef mich doch fast jede Woche, bzw. meine Eltern anrief, und nach meinem Wohlbefinden fragte. Er versprach mir auch, wenn ich die Krankheit erfolgreich hinter mich gebracht  hätte, mich in ein neues junges Team einzubringen und er freue sich schon auf ein Wiedersehen. Doch an dieses Wiedersehen möchte ich heute nicht mehr denken. Die Enttäuschung war riesengroß, vor allem, weil unser Glauben an das Gute größer war, als das Misstrauen.

Insbesondere weil dieses Unternehmen, schon seit Jahrzehnten, ganz tolle Spender des St. Anna Kinderspitals sind und ich eine extra Einladung erhielt, als sie eine Auszeichnung diesbezüglich erhielten. Dazu forderten sie mich sogar mehrmalig auf, ich solle doch nicht vergessen, bei diesem großartigen Ereignis zu erscheinen. Heute kann ich sagen, das war nur Imagepflege, das hat mit uns kranken, krebskranken Kindern nichts mehr zu tun.

 

Man sollte die Sache, wenn man ein Zeichen setzen möchte, auch wirklich ernst nehmen.

 

Danach war ich ein halbes Jahr Arbeitssuchender. Mein nächster Job dauerte nur 3 Monate an, da diese 3 Mitarbeiter mit Mobbing beschäftigt waren. Aussagen wie: So ein Trottel erhält hier Geld oder du warst ja schon vor deiner Krankheit unterbelichtet. Diese Äußerungen gehörten zum täglichen Gebrauch.

Nach fast zwei Monaten hielt ich es nicht mehr aus und „versuchte“ , eine Beschwerde einzulegen. Danach war es die Hölle. Jeden Tag Beschimpfungen, lautes Geschrei usw. . Doch lange hielt ich dieses Desaster nicht aus, vor allem war es eine massiv psychische Belastung für mich. Es ging sogar bis hin zum Erbrechen. Daraufhin war ich wieder Gast im St. Anna, um diesem Erbrechen nachzugehen. Diagnose: Aus medizinischen Gründen ist es nicht vertretbar, unter solchen Umständen, an dieser Arbeitsstelle weiterhin beschäftigt zu bleiben.

Somit wurde mir von meinem Arbeitgeber nahe gelegt, das Arbeitsverhältnis zu lösen, da leider kein anderer Arbeitsplatz für mich vorhanden wäre.

 

 

 

 

 

 

Jetzt zu den Zweifeln der Arbeitgeber:

 

Das man nicht voll einsatzfähig ist, vielleicht mehrmalig ausfallen würde, man gilt eben nicht als vollwertiger Mensch. Ich würde fast schon sagen, als behinderter Mensch. Es wird einem gar nicht die Chance bzw. die Gelegenheit gegeben, sich zu beweisen. Die jeweiligen Unternehmen, dort wo ich mich beworben habe, zum Teil auch sehr renommierte Unternehmen, lesen deinen Lebenslauf und deine Krankengeschichte und das war es. Leider, aber wahr.

 

Doch es gab trotzdem einen hellen Moment in diesem Chaos und diese Chance hat mir jetzt das Unternehmen EMC gegeben, über das ich unbeschreiblich glücklich bin und wo ich mich sehr wohl fühle. Die Mitarbeiter sind überaus nett zu mir. Vor allem sehr bemüht, mir meinen  neuen Arbeitsbereich, so gut als möglich zu zeigen, vor allem nicht auf oberflächliche Art und Weise, einfach ausgedrückt „kollegial“ .

 

Zum zweiten Thema:

Beweggründe bei der Großglockner-Tour mitzumachen, waren, damit wieder an meine Grenzen zu gehen und mit all den Leuten, die hier daran beteiligt sind, Spaß zu haben und sich auszutauschen. Übrigens finde ich dieses Projekt genial.

 

Zum dritten Thema: a) Wie hat sich mein Leben durch die Diagnose Krebs

                                   b) das Überleben

                                   c) als geheilt

                                   d) überstanden

                                   e) Lebensperspektiven

verändert?

 

Als ich am 28. Juli 2005 erfuhr, das ich Lymphdrüsenkrebs habe, um es genauer zu bezeichnen, an einem anaplastischen großzelligem Lymphom (ALCL) leide, der Gruppe C angehörte, veränderte sich in diesem Augenblick, auch wenn ich es momentan vielleicht nicht sofort realisiert hatte, mein ganzes Leben. Ich verspürte nur Zorn.Riesengroße Angst. Es ging mir plötzlich vieles durch den Kopf. Auf einmal musste ich mich mit dem Gedanken, „dem Tod“ auseinandersetzen .Die Tatsache vielleicht jetzt sterben zu müssen, war für mich eine schlimme, sehr schlimme Erkenntnis. Ich begann mit Gott zu hadern und fragte mich:“ Warum ich?“ Warum bestraft er mich so, ich bin doch noch so jung, ich habe doch noch nie jemanden etwas Böses getan oder gewollt? Unendliche Fragen warfen sich auf.

Natürlich auch Freunde nie wieder zu sehen und all die Menschen die mir nahe stehen zu verlieren, hat mich sehr traurig gestimmt.

Sich von seiner sportlichen, vielleicht werdenden Karriere als Sportler zu verabschieden, war ein furchtbarer Gedanke. Rausgerissen von Allem und Jenem.

           

 

b)         „Das Überleben“

 

Das wurde mir oft, sehr oft,  nicht leicht gemacht. All die Chemo, Rückfall bis hin zur Stammzellentransplantation, Probleme nach der Transplant und vieles mehr. Ich habe daran mehrmals gezweifelt  und wenn es mir besonders schlecht gegangen ist und ich ans Aufgeben gedacht habe, war mein Ziel, ich muss wieder zum Sport zurückkehren. Dieser Gedanke trieb mich immer weiter voran und motivierte mich ungemein.

 

 

Und da waren meine Eltern, meine Schwester Jenny, meine Großeltern und all die Freunde die mir stets zur Seite standen , da konnte ich auf keinen Fall aufgeben. Sie unterstützten mich in jeder Form.

Es war sozusagen ein mächtiger oft ohnmächtiger Kampf, den ich auf keinen Fall verlieren wollte.

Meine Devise war, nicht Hoffnung nicht aufzugeben.

 

c)         „Geheilt“

 

Heißt für mich, vertrauen auf die Ärzte, Nachsorgeärzte, Schwestern und Pfleger, der Forschung, all dem Team, das hier so hervorragend zusammenarbeitet und sich bemüht, so gut es geht, allen zu helfen und uns zu „heilen“.

Und wenn man schließlich als geheilt gilt, dann sollte man auch daran glauben, sonst verläuft man sich und findet den Anschluss an die Außenwelt nicht mehr und deshalb habe ich mich wahnsinnig gefreut, das ich dazu gehören durfte.

Mein erster Gedanke:Ich kann wieder zu meinem Sport (Fußball und Leichtathletik) zurückkehren und das war doch mein Ziel, welches ich stets vor Augen hatte und das wollte ich mit allen Mitteln wieder schaffen. Dort anzuschließen wo ich aufgehört hatte, denn das wurde mir versprochen. Ich darf wieder meine sportliche Aktivität aufnehmen. Dies beruhigte mich ungemein.

 

d)         „Überstanden“

 

Die Frage, was heißt das jetzt „Überstanden“ . Mit diesem Ausdruck sollte man sehr sparsam sein, denn hier dazuzugehören, die es geschafft haben, da kann man sich wahrhaftig glücklich, sehr glücklich schätzen. Es hätte auch anders ausgehen können. Ein wenig Skepsis jedoch bleibt , zumindest ist man in gewissen Belangen, z.B.: mit Beobachtung seines Körpers doch sehr vorsichtig, denn im Vorjahr 2008 war noch einmal der Verdacht auf Hautkrebs, der sich aber Gott sei Dank nicht bestätigt hatte und ich ihn verwerfen konnte.

Aber trotz allem, die Aussage „Es überstanden zu haben“ , würde man am liebsten der ganzen Welt mitteilen und sagen, “Seht her, ich habe es geschafft“!

 

e)         „Lebensperspektive verändert“

 

In jeglicher Hinsicht. Nachdenklicher. Man sieht alles aus einem anderen Blickwinkel. Man denkt über verschiedene Dinge intensiver nach, ob Krankheit oder Gesundheit, ob über die Zeit die man verloren hat oder auch Lebenseinstellungen die man dazu gewonnen hat. Die Menschen, die in den schlimmsten Stunden zu dir standen, schätzt man besonders, vor allem Menschen die dein Leben im positivem Sinne bereichern, die haben meine volle Wertschätzung.

Das Leben ist so kurz und man sollte versuchen, das Beste daraus zu machen und das ist jetzt meine Lebenseinstellung.

 

Heute kann ich sagen, alles was du liest oder nur hörst, über die Krankheit Krebs, ist nur ein winzig kleiner Teil, der hier übermittelt wird oder auch verstanden wird.

Denn es zu erleben oder miterleben zu müssen, ob jetzt als Betroffener oder Begleiter, erst dann kannst du darüber sprechen, alles andere ist nur ein kleiner Auszug von Zeitungsartikeln oder Medienberichten.

 

 

Das zu meiner Geschichte und liebe Grüße,  Sebastian

Letzten Sommer hatte ich die Gelegenheit mit dem Verein Tauchen als Therapie (www.tauchen-als-therapie.de) etwas Neues zu wagen.

Ähnlich wie bei der Großglocknertour richtet sich das Angebot an Jugendliche und junge Erwachsene nach Krebs.

Im Folgenden findet ihr den kurzen Artikel, den ich für die Vereinszeitschrift geschrieben habe. Ich bin schon neugierig darauf, nun nicht in die Tiefe, sondern in die Höhe vorzustoßen.

Vielleicht noch soviel zur Überschrift: Ausbrechen und Ausbruch. Ich persönlich denke dabei sowohl an den Ausbruch des Tumors, als auch an mein eigenes Ausbrechen: Ausbrechen aus der Normalität, aber auch aus den Klischees und der Rolle eines Krebs-„Opfers“.

Bald gehts also los: Raus aus dem Alltag, rauf auf den Gipfel, hinein in etwas Neues. Ich wünsche uns allen spannende Ausbrüche!

Hier der Artikel:

„Was bleibt?

Wenn Sie auf Ihre Lebensjahre zurückschauen – was bleibt? Was bleibt einem von seiner Schulzeit, was von der ersten Verliebtheit, was von all den Stunden in Arbeit und Beruf?

Zwischen Schläuchen, Schmerzen und Isolation tauchen solche Fragen auf. Wir durften abtauchen. Faktisch nur 12m (für Anfänger), aber es ist mehr. Im Meer der Farben, der Stille und der Schwerelosigkeit kommt etwas von der Schwerelosigkeit zurück, die sonst nur wie eine ferne Gestalt am Horizont der Kindheit zu uns herüberwinkt und die uns aus dem Leib geschnitten, durch Infusionen ausgeleitet oder wegbestrahlt worden ist.

Mir persönlich bleiben zwei Dinge: Erfahrungen und Erinnerungen. Die Erfahrung der Leichtigkeit und des Erfolgs. Mühelos durch diese neue Welt zu schweben, mit Technik und Respekt sich einen neuen Raum zu erschließen.

Und die Erinnerung an eine bunte Patchwork-Familie für 15 Tage. Unter der Sonne der Türkei […] war es ein Hauch Garten Eden. Sich nicht kümmern müssen, lachen, diskutieren, essen, schlafen, (tag-)träumen, lesen – nichts müssen, alles können; das ist es, was mir so nachdrücklich in Erinnerung geblieben. Das hat nach Leben geschmeckt. Und mancher Blick auf Fotos dieser Tage lässt den Geschmack dieser Tage wieder wach werden.

Der Alltag ist nicht süß. Aber der Alltag bleibt unser Bewährungsfeld. Allerdings hilft es gerade dort ruhig zu atmen und nicht in hektische Bewegungen zu verfallen.

Für mich sind Erlebnisse und Erfahrungen wie Atemluft beim Tauchen. Und der Druck meiner Atemflasche ist nach [dieser] wieder bei 200bar.

Veränderung und Bewegung. Kurz: Leben. Das bleibt. Nicht mehr und nicht weniger.“

Thomas

GroßglocknerTour 2009

6. August 2009

Logo GroßglocknerTour 2009

Die SURVIVORS GROSSGLOCKNERTOUR 2009 (Survivors=ehemalige Kinderkrebs-Patienten) ist eine Veranstaltung des EU-Projektes “Forschen heilt Krebs”.

Einen Berg von 3.798 Metern zu besteigen, erfordert von jedem:
Ausdauer, gute Kondition, Durchhaltevermögen und, dies ist besonders wichtig, eine innere Antriebskraft, die Konzentration auf sein Ziel.

Mit Zielstrebigkeit und innerer Motivation sowie Motivation durch die Gruppe werden wir, die wir gemeinsam am 6. September 2009 starten, den Gipfel erklimmen.

Für jeden von uns, sei es nun ein junger Krebs-Survivor oder Mitglied des Betreuungsteams, wird die Großglockner-Tour eine ganz besondere – und hoffentlich – überaus positive Bedeutung haben.

Sandra Brezina-Krivda / „Forschen heilt KrebsProjekt-Management, Public-Relations

St. Anna Kinderkrebsforschung, Zimmermannplatz 10, 1090 Wien