meine Geschichte und der Großglockner
3. September 2009
Mit knapp 4 Jahren bekam ich (meine Eltern) die Diagnose Krebs. Ich musste quasi Not operiert werden, da mein Leben de facto nur mehr am Seidenen faden hing. Erinnern kann ich mich kaum noch an diese Zeit. Die wenigsten Momente sind noch da und das meiste was ich von damals weiß, weiß ich von meinen Eltern.
Meine Jugend betrachte ich als nicht sehr aufregend. Ich kam mit meiner Umwelt nicht klar und meine Umwelt nicht mit mir. Meine Krankheit schob ich vor mir her und wollte nichts davon wissen. Gut 20 Jahre konnte und wollte ich nicht darüber reden. Ich habe meine Krankheit so sehr verdrängt, das ich bis ca. 14 Jahren nicht einmal genau wusste, was ich hatte. All das sollte sich noch ändern.
Auf Initiative der Elterninitiative Kinderkrebshilfe für Wien fand ein psychologisches Seminarwochenende für Survivors statt. Zum ersten mal in meinem Leben kam ich mit jungen Menschen zusammen, die mich verstanden. Denen ich nichts erklären brauchte. Unterschiedlichere Charaktere konnten wir nicht sein- aber eins verband uns- unsere Vergangenheit.
Somit gründeten wir die Österreichische Survivors Gruppe und waren (sind) ein Projekt des Dachverbandes der österreichischen Kinderkrebshilfe. An dieser Stelle darf ich auf das Buch “Geheilt” von Dr. Thomas Hartl im Ueberreuter Verlag hinweisen. Einige ehemalige Krebspatienten- darunter auch drei Survivors (auch meine Wenigkeit) erzählen in diesem Buch ihre Geschichte mit den unterschiedlichsten Wegen der Heilung.
Da ich sehr narutverbunden bin und sportbegeistert war ich sofort von der Idee, auf den Großglockner zu gehen begeistert. Leider habe ich das Gefühl, das es sich hier um ein prestige Projekt des St. Anna Kinderspitals handelt. Man will hier “kerngesunde” Survivors zeigen. Und nur diese. Zum einen gibt es Survivors, die bei entsprechender Vorbereitung und Unterstützung sicher in der Lage wären, den Gipfel zu erklimmen und eben auch wiederum andere, denen körperlich und oder geistig die Voraussetzungen dazu de facto fehlen.
Warum man bei der Vorbereitung darauf verzichtet hat, uns Survivors generell ins Boot zu holen weiß ich nicht. Warum man nicht versucht hat, Survivors die ein leichtes Handicap haben ebenfalls mit an Bord zu holen weiß ich nicht. ich finde das mehr als schade. Das ist mit Sicherheit nicht der Hintergrund, warum wir die Survivors Gruppe gegründet haben. Wir wollen uns gegenseitig helfen und Aufklärungsarbeit betreiben. Wir wollen für andere da sein. Es gibt Nachsorgeprojekte, bei denen weniger die Frage ist, ob ein Survivor bei diversen Outdoor Aktivitäten mitmachen kann, sondern vielmehr was er dazu braucht um mitzumachen. Bei diesem Projekt hatte ich nicht den Eindruck, das man versucht, dafür zu sorgen, das leicht benachteiligte Survivors mitgehen können.
Bei aller Kritik möchte ich noch ergänzend hinzufügen, dass vor rund zwei Wochen die “Generalprobe” auf der Rax stattfand, bei denen mit den Verantwortlichen dieses Projekts wirklich gute und vor allem konstruktive Gespräche stattgefunden haben bei denen auch ich das Gefühl hatte, das unsere Anliegen wirklich Gehör finden. Für die Zukunft bin ich sehr optimistisch, das wir noch mehr gehört und ernst genommen werden und unsere Anliegen auf fruchtbaren Boden fallen.
Günther Berger